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Gesundheit

Weihnachten: das Adventsfenster, ein junger Brauch aus der Schweiz

Die Welt wird immer kälter und unpersönlicher, zwischenmenschlicher Kontakt spielt heute zunehmend seltener eine wichtige Rolle. So jedenfalls ist die gesellschaftliche Wahrnehmung.

Weihnachten: das Adventsfenster, ein junger Brauch aus der Schweiz

Das Wichtigste in Kürze

  • Erst in den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts hat sich der Brauch der Adventsfenster in der Schweiz etabliert.
  • Ursprünglich stammt die Tradition aus dem Aargau.
  • Die Idee dahinter ist, dass sich die Menschen in kleinen Dörfern und Städten kennenlernen.
  • Heute sind die Adventsfenster nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Teilen Deutschlands, Österreichs und Frankreichs bekannt und beliebt.

Die Welt wird immer kälter und unpersönlicher, zwischenmenschlicher Kontakt spielt heute zunehmend seltener eine wichtige Rolle. So jedenfalls ist die gesellschaftliche Wahrnehmung. Gerade in der kalten Jahreszeit aber wäre es doch schön, wenn die Menschen ein wenig zusammenrückten und innehalten. Aus dem Aargau stammt ein schönes Brauchtum, das die Menschen für ein paar Stunden am Tag zusammenbringt.

Aus dem Aargau über die Schweiz verbreitet

Wie das bei Traditionen immer so ist, weiss irgendwann niemand mehr, woher sie kommen, was sie bedeuten und wann sie begonnen haben. Bei den Adventsfenstern ist das allerdings anders, auch wenn da genaue Datum im Dunkeln liegt. Bekannt immerhin ist, dass die Ursprünge dieses Brauchs irgendwann in den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts liegen müssen.

Das haben die Arbeiten von Dominik Wunderlin ergeben, der am Basler Museum der Kulturen Kurator war und die Schweizer Weihnachts- und Adventsbräuche recherchiert hat. Daraus entstand das Buch «’s isch heiligi Wiehnachtszyt». Wunderlin fand heraus, dass die Adventsfenster vermutlich um 1985 in und um Othmarsingen entstanden sein müssen.

Der «begehbare Adventskalender»

Vom Aargau aus breitete sich die Tradition aus, heute ist sie im Prinzip in der ganzen Schweiz zumindest bekannt. Doch auch über die Landesgrenzen hinaus hat dieses Brauchtum inzwischen Verbreitung gefunden. In Teilen Deutschlands, Österreichs und Frankreichs sind die Adventsfenster heute ebenfalls bekannt.

Die dritte Frage aber – die nach der Bedeutung – haben wir damit noch nicht geklärt. Die Intention ist es, Menschen in einer dörflichen Gemeinschaft im Advent zusammenzubringen, die Anonymität zu bekämpfen, die auch in kleinen Gemeinden weitgehend herrscht. Doch wie genau funktioniert der «begehbare Adventskalender»?

Was passiert beim Adventsfenster?

Der exakte Ablauf ist heute von Dorf zu Dorf verschieden. Aber im Grunde läuft es so ab, dass die 24 Haushalte einer dörflichen Gemeinschaft oder eines Stadtviertels zusammentun und vom 1. bis 24. Dezember ihre Fenster festlich zu schmücken. Dabei hilft die gesamte Familie mit. Enthüllt werden die Fensterkunstwerke aber erst an jenem der 24 Adventstage, an denen man an der Reihe ist – aber auch erst, nachdem die Dunkelheit über den Ort hereingebrochen ist.

Anlässlich der abendlichen Öffnung, oder besser der Enthüllung, des jeweiligen Fensters mit dem Adventsschmuck versammeln sich die Anwohner vor dem Fenster, um sich zu unterhalten und die Gemeinschaft zu pflegen. Man isst Guetzli und stösst mit einem Glas Apéro oder eine Tasse Glühwein an. Übelmeinende Zungen behaupten, dass die Weihnachtsfenster nur erfunden worden sind, damit es einen weiteren Grund gibt, den in der Schweiz beliebten Apéro trinken zu können… Ein schöner Brauch, der nicht zuletzt Zugezogenen die Gelegenheit bietet, in der Gemeinschaft anzukommen. Und für alle anderen eine tolle Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen oder alte, eingerostete Bekanntschaften neu aufleben zu lassen.

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